weltdeswunderns

Offener Brief an Barbara Eggert, OWL am Sonntag

Liebe Frau Eggert,

Ich war in den letzten 2 Jahren auf einer ganzen Reihe von Hochzeiten. Auch in Ostwestfalen. Aber erst heute ist mir etwas aufgefallen, was offensichtlich nicht selbstverständlich ist: Es ging bei diesen Hochzeiten gar nicht um Sex!

Wieso mich das heute überrascht? Nunja, auf Twitter und Facebook geht gerade mal wieder ein mittlerer Shitstorm um, diesmal richtet er sich gegen Sie, Frau Eggert, die Sie in ihrer Ratgeber-Kolumne in der Gratis-Anzeigenzeitung aus dem Westfalenblatt-Verlag „OWL am Sonntag“ (In der PDF-Ausgabe auf Seite 3) schreiben:

„Es ist für homosexuelle Paare sicherlich nicht einfach, eine gelungene Hochzeitsfeier zu organisieren, die der ganzen Familie gerecht wird. Aber bei allem Respekt, es muss nicht sein, sechs- und achtjährige Kinder einzuladen. Ich gebe Ihnen Recht, Ihre beiden Töchter würden durcheinander gebracht und können die Situation Erwachsener nicht richtig einschätzen, weil sie noch zu jung sind.“

Die Situation, auf die sie sich beziehen, entstammt einem Leserbrief von Bernhard. Er schreibt, dass sein Bruder seit Jahren in einer homosexuellen Beziehung lebt, dass er und sein Partner wunderbare Menschen seien und seine Töchter die beiden mögen würden, aber nicht wüssten, dass sie homosexuell sind. Jetzt wollen die beiden heiraten, die Mädchen sollen Blumen streuen und Bernhard und seine Frau möchten nicht, dass sich die beiden Mädchen schon in so frühem Alter mit sexueller Orientierung befassen müssen. Darum fragt er um Rat.

So weit, so traurig.
Ehrlich gesagt: Als ich mit etwa zwei Jahren zum Ersten Mal (von dem ich weiß) auf einer Hochzeit war und Blumen gestreut habe, da hat mich herzlich wenig interessiert, welche sexuelle Orientierung mein Onkel und seine Frau hatten. Warum auch. Es war ein schönes Fest.
Als ich letztes Wochenende auf der Hochzeit von Freunden war, da war von Sexualität wenig zu spüren. Sicherlich, ab und zu sagte mal jemand etwas von „Kinderwunsch“. Auch der eine oder andere Kuss wurde gewechselt. Aber das waren kleine Zärtlichkeiten, Ausdruck von tiefer Zuneigung und Liebe – durchaus nicht nur zwischen Braut und Bräutigam: Da drückte auch eine Mutter ihrer Tochter mal einen dicken Schmatzer auf die Stirn, es existieren Fotos, wo Freunde des Paares der Braut oder dem Bräutigam auf die Wange küssen. Kinder waren auch dabei. Irritiert wirkten sie nicht auf mich. Warum auch.

Ich glaube aber, irritiert wären sie gewesen, hätte man ihnen gesagt, dass die beiden möglicherweise miteinander schlafen. Aber, wie gesagt, das war kein Thema.

Warum wird Sexualität, die sexuelle Orientierung, aber sofort ein Thema, sobald homo-, bi- oder transsexuelle Menschen eine Rolle spielen?
Eine 60jährige Dame erzählte mir vor einiger Zeit von ihrer lesbischen Tante. Als Kinder waren sie dort öfter zu Besuch, mit der ganzen Familie. Sie lebte mit ihrer Partnerin zusammen. Die Kinder verstanden nicht, warum ihre Mutter nie wollte, dass sie das Schlafzimmer der beiden sehen. Sie sahen es trotzdem und dachten sich nichts dabei. Ist doch gar kein Problem, wenn zwei Frauen in einem Zimmer, sogar in einem Bett schlafen. Als Kinder machten sie das doch auch. Nie war von Homosexualität die Rede. Nie war das ein Thema. Es waren zwei Menschen, die zusammen lebten, die sich gerne hatten, die ihr Leben miteinander teilten, ganz normal. Erst viel später hat jene Frau verstanden, dass es da noch eine andere Ebene gab.

Ist das bei heterosexuellen Paaren anders? Kinder kennen vielleicht das Schlafzimmer von Mama und Papa, aber was da passiert, wenn sie selbst schon schlafen, wissen sie vermutlich nicht so genau (oder verstehen es nicht und machen sich auch wenig Gedanken darüber).
Bei einer Hochzeit sagt sich ein Paar gegenseitig, dass sie zusammen sein möchten, dass sie ihr Leben miteinander verbringen wollen, dass sie sich lieben und ehren wollen in guten wie in schlechten Zeiten. Das hat mit Sexualität erst einmal nicht viel zu tun, sondern vor allem mit Vertrauen, mit Liebe, mit Zuneigung. Kinder verstehen das und können sich wunderbar mit dem Paar freuen. Ich glaube kaum, dass bei normalen 6-8jährigen eine heiße Diskussion über Homosexualität entbrennen wird, wenn zwei Männer sich solch ein Versprechen geben.
Ich kann mir aber ebenso wenig vorstellen, dass eben diese Diskussion vermeidbar ist, wenn Eltern ihren Kindern nicht erlauben mit zu einer Feier ihres geliebten Onkels zu kommen, der doch die ganze Familie eingeladen hat und wofür sich alle so schick machen und worauf alle sich so freuen.

Aus diesem Grunde halte ich Ihren Rat, Frau Eggert, für unüberlegt. Nein, ich will auch nicht, dass Kinder im frühen Grundschulalter bereits über sexuelle Beziehungen, egal welcher Art, nachdenken müssen. Aber seien Sie beruhigt: Für Kinder spielt erwachsene Sexualität noch gar keine Rolle, solange Sie sie nicht zum Thema machen. Wenn sie dann einmal in dem Alter sind, in dem das Thema interessant wird, dann werden die Kinder auch ohne Hochzeitsfeier mitbekommen, dass ihr Onkel und sein Partner offensichtlich schwul sind. Vorher aber, liebe Frau Eggert, gönnen Sie doch Bernhard und seiner Familie eine schöne Feier!

Mit freundlichen Grüßen,
Tim Wendorff

Nachtrag:
Mittlerweile hat der Verlag reagiert und eine Erklärung auf seiner Homepage veröffentlicht. Ihr findet sie hier.

Nachtrag 2 (21.05.2015, 00:00 Uhr):
Der Verlag hat sich noch einmal geäußert. Diesmal ist die Distanzierung deutlicher, die Zusammenarbeit mit Barbara Eggert wurde aufgekündigt. M.E. wirkt das ganze leider nicht, als hätte der Verlag einen Fehler korrigiert, sondern es hat einen Geschmack von: „Wir wollten ja nicht, aber auf Grund des öffentlichen Drucks musste eine Mitarbeiterin, deren Beitrag wir entweder wissentlich veröffentlicht oder aber der gegenüber wir unsere die redaktionelle Aufsicht nicht ordentlich wahrgenommen haben, über die Klinge springen.“ Dabei bin ich fast geneigt, der halbherzigen ersten Stellungnahme zumindest insofern Glauben zu schenken, dass der „Rat“ der Kolumne gar nicht bösartig, sondern einfach nur dumm war, von Redaktion und Autorin.

Nachtrag 3 (22.05.2015, 09:52)
Das Bildblog hat noch einmal sehr schön dargestellt, warum die Entlassung von Frau Eggert irgendwie dann doch falsch erscheint. Dabei verweisen sie auch auf den Beitrag des großen spreeblick zum Thema, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erschien und ganz ähnliche Argumente anführt wie ich.

Nachtrag 4 (22.05.2015, 19:28)
Barbara Eggert
äußert sich selbst in der Süddeutschen Zeitung.

Alternativen gegen Alternativlosigkeit

Als ich gestern Abend im Heute-Journal mal wieder mit einer Mischung aus Irritation, Verärgerung und Angst den Bericht über die #PEGIDA-Demonstrationen des Tages sah, da kam plötzlich dieses kleine hutzelige Männlein mit dem schwarz-rot-gold-umrandeten Schild in der Hand ins Bild (ab 0:51 Min):

„Irgendwann kocht das Fass halt mal über und das ist jetzt der Fall. Ich meine, vielleicht wäre was anderes auch der Grund gewesen, aber das ist halt jetzt die Asylpolitik, die ja weiß Gott auch nicht so verkehrt ist, man muss sie nur mal gemeinsam mit dem Volk machen“

(Ins Hochdeutsche übersetzt von mir)

Wenn die Asylpolitik gar nicht so falsch ist, wenn da was dran ist an der immer wieder wiederholten Aussage: „Wir haben ja nichts gegen Ausländer…“ – Warum marschiert ihr dann mit, warum reiht ihr Euch zu Tausenden ein hinter Plakaten, auf denen ausländerfeindliche Sprüche stehen? Warum jubelt ihr dann rednern zu, die konsequentere Abschiebungen fordern, die nachweislich falsche Behauptungen aufstellen und Fremdenhass schüren? Warum tut ihr all das und beschwert euch dann noch, dass man euch mit diesen Nazis in einen Topf wirft?

Wenn es tatsächlich so ist, dass ein großer Teil der Demonstranten in Dresden, Bonn und anderswo eigentlich nur für mehr Einflussnahme und gegen staatliche Bevormundung kämpft, aber gar nichts gegen Ausländer hat, dann schlage ich folgende Alternativen vor, um eurer Meinung Ausdruck zu verleihen:

  • Versammelt Euch zu eigenen Demonstrationen. Sucht euch einen eigenen Namen und vielleicht einen anderen Tag (damit keiner sagen kann, ihr würdet die historischen Montagsdemonstrationen missbrauchen) und malt euch Plakate, auf denen Dinge stehen wie: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“. Am besten nehmt ihr auch noch Plakate mit „Refugees Welcome“ o.ä. mit, um euch klar von den rechten Hetzern abzugrenzen.
  • Sagt einfach nie wieder: „Wir sind keine Nazis, aber…“
  • Versucht doch einfach mal mit Euren Beschwerden Platz in der bösen Systempresse zu finden. Versucht das mal freundlich, ohne Vorverurteilung der Medien und mit gut argumentierten Leserbriefen und Gastbeiträgen. Ihr werdet Euch wundern, dass auch die verlogenen Mainstream-Medien euren Positionen Platz einräumen werden, sofern sie Hand und Fuß haben, nicht auf Verschwörungstheorien basieren und stilistisch angemessen sind.
  • Gründet eine Partei. Oder besser noch: Engagiert Euch in einer bestehenden Partei. Am Besten in einer der Großen. Wenn ihr wirklich so viele seid und grundsätzlich die Ideale des deutschen Sozialstaats teilt aber gerne mitgestalten wollt, dann hättet ihr wirklich politisches Gewicht innerhalb des Systems und müsstet es nicht von außen bekämpfen. Wenn von den 15000 Menschen, die gestern in Dresden bei PEGIDA mitgelaufen sind, 10000 in eine große Partei, sagen wir mal die CDU eintreten würden und gemeinsam Veränderungen forderten: Sie wären eine starke innerparteiliche Fraktion, die man nicht überhören könnte.

Nur: Egal für welche Alternativen ihr euch entscheidet: Lasst den Scheiß mit diesem Ausländerhass!

Nur zur Erinnerung: Nächste Woche feiern wir Weihnachten. Ein Fest, das für das von Euch so viel beschworene christliche Abendland kulturell eine große Bedeutung hat. Ein Fest, an dem sich Christen an ein armes Flüchtlingskind erinnern, dessen Botschaft geprägt war „Liebe deinen Nächsten“, von „Gehet in alle Welt“, von „Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“. Das sind die Werte des christlichen Abendlandes, die es wert sind, verteidigt zu werden.

[Änderung am 16.12.2014, 10:05: In der ersten Version habe ich versehentlich an die Zahl der Teilnehmenden an der PEGIDA-Demonstration vom 15.12. eine Null zu viel gehängt und diesen Fehler konsequent durch den Beitrag geschleift. Aber auch mit 15000 Demonstrationsteilnehmern ist die Zahl noch erschreckend hoch. Danke an David für den Hinweis!]

Geschichte wiederholt sich (hoffentlich nicht)

Ein Mob auf der Straße. Nicht nur Leute, die eindeutig dem rechtsextremen Milieu zuzuordnen sind. Aber sie schmeißen Steine und Molotowcocktails auf Häuser, in denen Asylbewerber leben. Sie fühlen sich abgehängt, nicht genug beachtet, fremd im eigenen Land. Das Gefühl mag subjektiv richtig sein, objektiv ist Deutschland weit entfernt von Überfremdung oder gar einem Überrollt-werden von Flüchtlingen. 1992 war das. Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien tobt. Die Reaktion der Politik damals:

In der Folge wurde das Grundrecht auf Asyl praktisch ausgehebelt. Deutschland, das einmal viel Wert darauf legte, Menschen Schutz zu gewähren, die durch Krieg, Verfolgung oder große Not zur Flucht gezwungen wurden, schottete sich ab. Bis heute sind die damals errichteten Mauern nicht kleiner geworden.

2014. Wieder sind Tausende auf den Straßen. [Ergänzung am 12.12.2014, 13:16:] Wieder brennen Häuser, die für Asylbewerber bestimmt sind, wenn auch glücklicherweise noch niemand darin wohnt. Die Menschen auf den Straßen sind [Ende Ergänzung] nicht nur Leute, die eindeutig dem rechtsextremen Milieu zuzuordnen sind. Ihre Wut richtet sich gegen Asylbewerberunterkünfte und eine angebliche Islamisierung des Abendlandes. Sie fühlen sich abgehängt, nicht genug beachtet, fremd im eigenen Land. Das Gefühl mag subjektiv richtig sein, objektiv ist Deutschland weit entfernt von Überfremdung oder gar einem Überrollt-werden von Flüchtlingen. Von einer Islamisierung kann überhaupt keine Rede sein. Die Reaktion der Politik (ab 3:10Min):

1992 hat man die Sorgen der Menschen ernst genommen, die auf der Straße waren. Zu Lasten derer, die wirklich Hilfe brauchten. Auch, wenn Thomas de Maizière heute noch von davon spricht, die Ängste seien „absurd“ und man müsse mit Aufklärung dagegen halten: Er will die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Hoffentlich sind die Folgen dieses Ernstnehmens nicht wieder so absurd wie 1992.

o2 can (not) do

Wer kennt es nicht. Ich sitze am Schreibtisch und versuche kreativ zu sein. Da klingelt plötzlich das Handy. Eine Nummer, die nicht in meinem Telefonbuch gespeichert ist, keine mir bekannte Vorwahl hat und nicht unterdrückt wird. Ich seufze. Da will mir wieder jemand was verkaufen.

„Guten Tag, spreche ich mit Herrn Wendorff“ [1]

„Ja“

„Mein Name ist [Name], ich rufe an im Auftrag von O2, ihrem Mobilfunkanbieter. Herr Wendorff, haben sie einen Moment Zeit für mich?“

„Einen Moment ja.“

„Herr Wendorff, wir hatten das Gespräch Ihnen ja letzte Woche bereits per SMS angekündigt. Wir würden das Gespräch gerne zu Schulungszwecken aufzeichnen, wenn Sie damit einverstanden sind, dann bestätigen Sie mir das bitte.“

„Ja“

„Es geht um ihren Mobilfunkvertrag. Sie haben ja im Moment den…“

und dann folgte eine längere Erklärung meines Vertrages, der tatsächlich schon mehrere Jahre läuft und eine Erläuterung, warum das nicht mehr zeitgemäß sei. Vor allem: „Die Drosselung ist ja im Moment auch Ihr bester Freund.“ So weit, so gut. Im Großen und Ganzen konnte ich der Dame zustimmen. Die 300MB Datenvolumen, die ich momentan in UMTS-Geschwindigkeit nutzen kann, sind tatsächlich oft schon in der ersten Monatshälfte aufgebraucht. Andererseits: Ich weiß oft nicht, wie das passiert – und die Online-Anwendungen, die ich regelmäßig nutze, funktionieren auch danach noch – merklich langsamer zwar, aber ausreichend. Und darum habe ich den Vertrag bisher nicht geändert. Alle Verträge, die mehr Datenvolumen beinhalten und sonst meinen Anforderungen genügen sind deutlich teurer. Telefonieren und SMS verschicken tue ich kaum (Bzw. über Festnetz-Anschluss und Whatsapp), insofern sind Allnet-Flat etc. für mich keine starken Argumente, mit meinen bisherigen Freiminuten komme ich gut klar. Aber trotzdem höre ich mir an, was man mir anbieten will.

Das Angebot klingt in Ordnung. Die Dame aus dem Callcenter bietet mir im Prinzip den Tarif O2Blue All-in M an, mit den Vergünstigungen aus dem Programm für Junge Leute. Das stelle ich aber erst fest, als ich parallel zum Gespräch bei o2 nachschaue. Sie fragt mich dabei nicht, ob ich noch studiere. Bei der letzten Änderung meines Vertrages war das noch der Fall, heute nicht mehr. Sie sagt auch nicht, dass das ein Angebot für Junge Leute ist, nein: „Das kann ich Ihnen jetzt so anbieten, weil Sie ja auch schon lange Kunde bei uns sind. Und: Normalerweise kostet ein Tarifwechsel während der Laufzeit ja Gebühren, je nach Tarif können das bis zu 100 Euro kosten. Ich kann Ihnen den Tarif jetzt kostenlos ändern, ohne dass sich ihre Laufzeit dabei verlängert.“ Das klang erstmal nicht schlecht, aber trotzdem bin ich skeptisch. Verträge am Telefon sind mein Ding nicht. Andererseits: Wenn die Firma mich unbedingt als Kunde behalten will, dann geht da ja vielleicht noch mehr. Also sage ich, was mir eigentlich wichtig ist an meinem Handyvertrag, aber mehr als das versprochene kann sie mir nicht anbieten. Um meiner Skepsis gegenüber telefonischen Vertragsverhandlungen gerecht zu werden, frage ich: „Das klingt erstmal gut, aber ich würde mir das gerne nochmal genauer angucken. Können Sie mir das nochmal mailen oder so, bevor ich dem zustimme?“
Antwort: „Tut mir leid, Herr Wendorff, das geht leider nicht. Das ist ein spezielles Angebot, das können Sie nur jetzt am Telefon abschließen. Sie bekommen dann die genauen Unterlagen in den nächsten Tagen von uns per E-Mail. Wenn Sie es sich dann anders überlegen sollten können Sie die Vertragsänderung selbstverständlich innerhalb von 14 Tagen widerrufen.“ Ich frage bei einzelnen Dingen nochmal nach. Zur Laufzeit sagt mir meine Gesprächspartnerin noch einmal: „Ihre Vertragslaufzeit hat sich ja vor kurzem [Anm.: Ich habe nachgesehen: Im Januar. ist also doch schon länger her.] erst um ein Jahr verlängert. Der wird sich dadurch jetzt nicht zusätzlich verlängern.“

Am Ende stimme ich der Änderung dann zu. Zwar immer noch nicht restlos überzeugt, denn 5 Euro mehr im Monat sind immerhin 60 Euro im Jahr. Aber gut, ich bekomme ja auch einiges mehr dafür und ich bin nicht an längere Laufzeiten gebunden. Da mein Vikariat in weniger als 2 Jahren zu Ende sein wird und ich noch nicht weiß wo und wie ich dann lebe, ist es mir wichtig, keine Verträge abzuschließen, die länger laufen, wenn es sich vermeiden lässt. Die Vertragsdetails werden, nach vorheriger Ankündigung, noch einmal zusammengefasst und aufgezeichnet. „Zu Ihrer und unserer Sicherheit“, wie es heißt.

Heute morgen kommt dann eine Mail von o2. Betreff: „Alle Informationen zu Ihrem o2-Vertrag“. Und gleich auf den ersten Blick fällt mir auf: Die in der Mail genannten Bedingungen sind nicht die vom gestrigen Telefongespräch. Der monatliche Beitrag liegt 5 Euro höher als gesagt. Das Datenvolumen beträgt nur 500 MB statt 1,5 GB. Demnach sollte ich also für 200 MB mehr Datenvolumen 10 Euro mehr im Monat bezahlen. So hatten wir nicht gewettet. Das einzige, was diesen Vertrag vom regulären Vertragswechsel unterscheidet, ist der Wegfall der Wechselgebühr während der Laufzeit und der Verzicht auf eine neue Mindestvertragslaufzeit.

Ich rufe bei o2 an. Der Mitarbeiter hört sich meine Klagen an, fragt, ob ich Student bin, sieht, dass ich im System noch als Student geführt werde und fragt nochmal nach den versprochenen Vertragsdetails. Ich nenne sie ihm und er entschuldigt sich, dass er erst nachfragen müsse, ob er mir das so einrichten könne. Kurz darauf meldet er sich wieder. Er kann, allerdings nur mit neuer Vertragslaufzeit. Das kommt für mich nicht in Frage.

Ich werde an das Kundencenter weitergeleitet. Dasselbe Spiel wiederholt sich, nur diesmal ohne Anruf. Nein, ohne neue Mindestlaufzeit von 24 Monaten keine Chance. Also storniere ich den Vertrag und das Gespräch wird beendet.

Ich mache meinem Frust bei Twitter Luft.

Kurz darauf antwortet @o2de. Es folgt einiges Hin- und Her. Ich lege wieder breit aus, was man mir wann angeboten hat, warum ich verärgert bin etc. Der/die Mitarbeiter*in hinter dem Twitter-Account bleibt stets freundlich und bemüht, fragt nach und überprüft das Geschehen. Aber am Ende bleibt es bei dem Angebot: Mit den vergünstigten Konditionen komme ich um eine neue Laufzeit nicht drum herum. Also bleibt es beim Storno. Und beim Gefühl, von der Hotline verarscht worden zu sein. Auch, wenn es dabei leichte Selbstzweifel gibt. Vielleicht habe ich am Telefon doch etwas falsch verstanden? Allerdings hat niemand bei o2 in Frage gestellt, dass das telefonische Angebot so war, wie ich es beschreibe. In einer Direktnachricht an @o2de erwähne, dass ich zu gerne mal in die Aufzeichnung des Gesprächs reinhören würde (die ja angeblich zur Sicherheit sowohl des Unternehmens als auch meiner selbst gemacht worden sind) bekomme ich als Antwort: „Gespräch kann ich leider auch nicht einsehen/Anhören. Sorry“

Ich scheine nicht der einzige zu sein, der mit Hotline-Verträgen hat. Und fühle mich in meiner Skepsis solchen Anrufen gegenüber bestätigt.

Ergebnisse vons Ganze:

  • Viel verschwendete Zeit.
  • Telefonische Vertragsangebote können noch so gut klingen: Ich mache sowas nicht mehr.
  • Ein vorher weitgehend zufriedener, jetzt verärgerter Kunde, der sich den nächsten Zeitpunkt, seinen Handyvertrag fristgemäß zu kündigen jetzt in den Kalender geschrieben hat.
  • Das Gefühl, irgendwie verarscht worden zu sein, bleibt.
  • Einige Fragen bleiben ungeklärt:
    1. Warum werden Gespräche an der Hotline aufgezeichnet, wenn es dem Kundenservice bei Unklarheiten nicht möglich ist, diese Aufzeichnungen einzusehen?
    2. Warum können mir drei verschiedene Mitarbeiter*innen nicht dasselbe Angebot machen, was mir eine vierte Mitarbeiterin gemacht hat? Bzw. Warum machte mir diese Mitarbeiterin von sich aus ein Angebot, das das interne System bei o2 offensichtlich nicht hergibt?
    3. Steckt möglicherweise ein System dahinter, dass bei telefonischen Verträgen mehr versprochen wird als hinterher schriftlich festgehalten wird? Der Verdacht liegt nahe, schließlich müsste ein Kunde schon vor Gericht ziehen, damit der Anbieter gezwungen wäre, seine Aufzeichnungen zu zeigen – und wer macht das schon.
    4. Warum ärgere ich mich darüber jetzt so sehr, dass bald ein halber Arbeitstag dafür drauf geht, meinem Ärger Luft zu machen?

Anmerkungen

[1] Die Zitate aus Telefongesprächen sind ein reines Gedächtnisprotokoll. Ich versichere, dass ich das Gespräch so erinnere, allerdings kann ich es nicht beweisen und auch für mich selbst nicht nachprüfen.

#BRAGER vs. #ISRPAL?

Was für eine Nacht. Ein Fußballspiel, das Geschichte schrieb. Der Gastgeber der Fußball-WM, selbst mit Titelambitionen ins Turnier gestartet, verliert im Halbfinale gegen einen anderen Titelfavoriten – so weit nicht ungewöhnlich – aber der Endstand von 1:7 war dann doch etwas besonderes. Die Kommentare im (deutschsprachigen) Netz wie im Fernsehen schwankten zwischen begeistert und freudetrunken und peinlich berührt – eine solche Schmach hatte kaum jemand den Brasilianern gegönnt. Eine Mischung aus Häme und Spott sowie Mitleid mit den Brasilianern – und zwar nicht nur mit denen auf dem Platz – machte sich breit. Es ging um Emotionen, es ging um Fußball, es ging um Sport, um ein Spiel.

Was für eine Nacht. Ein Konflikt, der eskalierte. Raketen flogen auf Jerusalem und Tel Aviv, von Einschlägen war die Rede und von Opfern. Die israelische Luftabwehr im Dauereinsatz. Die Menschen suchten Zuflucht in Bunkern, die israelische Armee begann, Luftangriffe auf den Gaza-Streifen zu fliegen und Bodentruppen für eine Invasion vorzubereiten. Zahlreiche Tote und Verletzte. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, in den in den letzten Jahren ein wenig Ruhe gekommen zu sein schien, droht völlig aus dem Ruder zu laufen. Es geht um Krieg oder Frieden, um Leben und Tod.

Der Krieg im Nahen Osten war gestern die erste Meldung im heutejournal, das das ZDF, wie fast immer, wenn Abends Fußball übertragen wird, in der Halbzeitpause des WM-Viertelfinals sendete. Völlig zu Recht: Denn es war die Meldung des Tages, die wohl den größten Einfluss auf das Weltgeschehen hatte. an jedem anderen Termin hätte es eine Sondersendung gegeben, eine Extraausgabe der Nachrichtensendung. Gestern Abend gab es eine 70-Sekunden-Schalte nach Israel, als Zuschauer war ich geschockt – und dann ging es direkt zur nächsten Live-Schalte, zu einem Reporter, der vor dem Fußballstadion stand und nun etwas erzählen sollte über die Stimmung bei der nun wohl traurigsten Nation der Welt. Der Rest der Sendung war voll mit Kommentaren zum Fußball und v.a. mit den immer gleichen Jubelbildern deutscher Fans.

Geht’s noch, ZDF? Das war meine erste Reaktion und nicht nur ich, nein, auch ein guter Teil meiner Twitter-Timeline hatte offensichtlich den Eindruck, dass hier die Verhältnisse nicht stimmten. Kann ein Fußballspiel wichtiger sein, als ein Krieg? Können die Tränen der Verlierer in einem Sportwettbewerb wichtiger sein als die Tränen der Kinder im Bombenhagel?

Niemals! will ich schreien. Wie krank ist diese Welt? Geht es uns etwa nichts an, was da passiert im Nahen Osten?

Und andererseits ist der Schock doch schnell verflogen. Schnell hat mich das Fußballspiel wieder gepackt. Schnell kommentiere auch ich bei Twitter wieder den Spielverlauf. Der nahe Osten ist nicht so nah, wie der Name vermuten lässt. Da ist mir das Fußballspiel irgendwie näher, auch wenn die räumliche Distanz in diesem Falle noch größer ist.

Versuche ich das objektiv zu betrachten, dann ist das krank. Dann ist es schon krank, dass wir überhaupt bei einem Turnier mitgefiebert haben, dessen Fundament auf so vielen Menschenrechtsverletzungen, auf solch enormen Ausgaben auf Kosten der Bevölkerung in einem Land mit so großen sozialen und wirtschaftlichen Problemen beruht, wie diese Fußball-WM. Objektiv hätte man dieses Turnier eigentlich boykottieren müssen, wie es immer wieder auch gefordert wurde. Und objektiv betrachtet hätte man wohl auch die Übertragung unterbrechen müssen um über die Situation in Israel und im Gazastreifen zu berichten.

Und dann lese ich Tweets aus Tel Aviv, wie z.B. diesen hier:

Skurril. Auch in Tel Aviv, also direkt vor Ort, gucken die Menschen noch Fußball. Dabei spielt Israel nicht einmal mit. Was objektiv völlig seltsam, unangemessen, unfassbar anmutet, ist also vielleicht gar nicht so unnormal. Ich konnte es ja an mir selbst beobachten: Die Nachrichten aus Israel haben mich geschockt, aber doch nicht so sehr mitgerissen, wie das Fußballspiel.

Was da im Stadion passierte, das war für mich irgendwie greifbar, ich konnte mir das vorstellen, denn ich habe sowohl selbst schon Fußball gespielt, als auch Fußballspiele im Stadion und vor dem Fernseher miterlebt. Die Dynamik dort war mir bekannt und hat Emotionen wachgerufen. So schrecklich real es auch ist: Die Situation in Israel bleibt für mich abstrakt. Wie es ist, wenn das eigene Leben bedroht wird, wie es sich anfühlt, sich vor Raketen verstecken zu müssen, von Trümmern des eigenen Zuhauses getroffen zu werden – das ist mir unvorstellbar. Vielleicht ist es irgendwie krank, vielleicht aber auch eine Schutzfunktion meines Körpers, dass ich solche Nachrichten nicht ganz so nah an mich heran lasse, wie ein Fußballspiel. Und offensichtlich bin ich damit nicht allein.

Dass gestern Abend der Fußball also mehr Raum einnahm als die – objektiv – viel bedeutenderen Nachrichten aus dem Nahen Osten, kann ich subjektiv irgendwie nachvollziehen. das geht schon in Ordnung. Dennoch glaube ich, dass das heutejournal hier die Prioritäten falsch gesetzt hat: Eine Nachrichtensendung hat halbwegs objektiv zu sein, anders als die Entwicklungen im Nahost-Konflikt hatten die Stimmungen in Deutschland und Brasilien wohl für kaum einen Zuschauer noch Nachrichtenwert. Mit dieser m.E. falschen Prioritätensetzung ist das ZDF aber nicht alleine, auch das nachtmagazin um 0 Uhr in der ARD hat hier in meinen Augen falsche Schwerpunkte gesetzt. Aber, ich denke, man muss auch den Nachrichtenredaktionen zugute halten, dass es sich um live-Situationen handelt, in denen schnell Entscheidungen getroffen werden müssen, die vorher nicht lange diskutiert werden können. Und so wurde die Kritik beim ZDF offensichtlich auch ernst genommen und beraten:  

 

 

Allerdings: Auch wenn vielerorts noch Katerstimmung herrscht und die sportlichen Ereignisse der Nacht noch aufgearbeitet werden. Heute ist die emotionale Situation der Nacht vorbei. Was da in der Welt geschieht sollte niemandem hierzulande egal sein. Die Menschen im Nahen Osten, Israelis wie Palästinenser, Juden, Christen und Muslime, sind wieder einmal von einem verheerenden Krieg bedroht. Und sie haben ein Recht darauf, dass wir zumindest an sie denken, dass wir zumindest für sie beten und Gott um Frieden bitten. Und dass wir, dass unsere Regierung, alles in unserer Macht stehende tun um gemeinsam mit den Parteien friedliche Lösungen zu suchen. Denn auch, wenn Sport bei weitem nicht unpolitisch ist: Die politischen Prioritäten müssen derzeit woanders liegen.

Welt des Wunderns

Warum eigentlich Welt des Wunderns?

Weil es immer wieder Gründe gibt, sich zu wundern. Ich jedenfalls laufe durch die Welt und staune jeden Tag wieder:

  • Über Gottes großartige Schöpfung und die Schönheit der Welt.
  • Über das Wunder des Lebens.
  • Über die Engstirnigkeit und Gleichgültigkeit mancher Mitmenschen… und manchmal auch von mir selbst.
  • Über die Komplexität dieser Welt und darüber, wie kompliziert scheinbar einfache Dinge manchmal sind.
  • Über die Vielzahl der Blickwinkel, aus denen man Dinge betrachten kann um zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen zu kommen.

Ein Versuch

Immer wieder gab es in den letzten Jahren und Monaten Situationen, in denen ich mir dachte: Ich sollte dringend mal bloggen. Dinge, die ich erlebt habe, und die zu schön waren um sie für mich zu behalten. Beobachtungen, die ich gerne mit einer breiteren Öffentlichkeit geteilt hätte, um andere Meinungen dazu zu hören und davon zu lernen. Diskussionen in sozialen Medien, v.a. bei Twitter, die nicht ordentlich zu Ende geführt werden konnten, weil die Limitierung auf 140 Zeichen fundierte Argumentationen erschwerte.

Nun also mein Versuch mit einem eigenen Blog.

Mal schauen, wie intensiv ich es nutze. Und ich bin gespannt, wer sich dafür interessiert, was ich so verzapfe. Ich freue mich auf Eure Kommentare und Rückmeldungen!

Es wird Beiträge geben über Gott und die Welt. Theologische wie politische Gedanken, kirchliches und weltliches, persönliches und allgemeines, was zum Lachen und was zum Denken. Genauso bunt und wirr, wie das Chaos in meinem Kopf.

Also: Herzlich Willkommen und Viel Spaß beim Lesen!