Alternativen gegen Alternativlosigkeit

von Bruder Tack

Als ich gestern Abend im Heute-Journal mal wieder mit einer Mischung aus Irritation, Verärgerung und Angst den Bericht über die #PEGIDA-Demonstrationen des Tages sah, da kam plötzlich dieses kleine hutzelige Männlein mit dem schwarz-rot-gold-umrandeten Schild in der Hand ins Bild (ab 0:51 Min):

„Irgendwann kocht das Fass halt mal über und das ist jetzt der Fall. Ich meine, vielleicht wäre was anderes auch der Grund gewesen, aber das ist halt jetzt die Asylpolitik, die ja weiß Gott auch nicht so verkehrt ist, man muss sie nur mal gemeinsam mit dem Volk machen“

(Ins Hochdeutsche übersetzt von mir)

Wenn die Asylpolitik gar nicht so falsch ist, wenn da was dran ist an der immer wieder wiederholten Aussage: „Wir haben ja nichts gegen Ausländer…“ – Warum marschiert ihr dann mit, warum reiht ihr Euch zu Tausenden ein hinter Plakaten, auf denen ausländerfeindliche Sprüche stehen? Warum jubelt ihr dann rednern zu, die konsequentere Abschiebungen fordern, die nachweislich falsche Behauptungen aufstellen und Fremdenhass schüren? Warum tut ihr all das und beschwert euch dann noch, dass man euch mit diesen Nazis in einen Topf wirft?

Wenn es tatsächlich so ist, dass ein großer Teil der Demonstranten in Dresden, Bonn und anderswo eigentlich nur für mehr Einflussnahme und gegen staatliche Bevormundung kämpft, aber gar nichts gegen Ausländer hat, dann schlage ich folgende Alternativen vor, um eurer Meinung Ausdruck zu verleihen:

  • Versammelt Euch zu eigenen Demonstrationen. Sucht euch einen eigenen Namen und vielleicht einen anderen Tag (damit keiner sagen kann, ihr würdet die historischen Montagsdemonstrationen missbrauchen) und malt euch Plakate, auf denen Dinge stehen wie: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“. Am besten nehmt ihr auch noch Plakate mit „Refugees Welcome“ o.ä. mit, um euch klar von den rechten Hetzern abzugrenzen.
  • Sagt einfach nie wieder: „Wir sind keine Nazis, aber…“
  • Versucht doch einfach mal mit Euren Beschwerden Platz in der bösen Systempresse zu finden. Versucht das mal freundlich, ohne Vorverurteilung der Medien und mit gut argumentierten Leserbriefen und Gastbeiträgen. Ihr werdet Euch wundern, dass auch die verlogenen Mainstream-Medien euren Positionen Platz einräumen werden, sofern sie Hand und Fuß haben, nicht auf Verschwörungstheorien basieren und stilistisch angemessen sind.
  • Gründet eine Partei. Oder besser noch: Engagiert Euch in einer bestehenden Partei. Am Besten in einer der Großen. Wenn ihr wirklich so viele seid und grundsätzlich die Ideale des deutschen Sozialstaats teilt aber gerne mitgestalten wollt, dann hättet ihr wirklich politisches Gewicht innerhalb des Systems und müsstet es nicht von außen bekämpfen. Wenn von den 15000 Menschen, die gestern in Dresden bei PEGIDA mitgelaufen sind, 10000 in eine große Partei, sagen wir mal die CDU eintreten würden und gemeinsam Veränderungen forderten: Sie wären eine starke innerparteiliche Fraktion, die man nicht überhören könnte.

Nur: Egal für welche Alternativen ihr euch entscheidet: Lasst den Scheiß mit diesem Ausländerhass!

Nur zur Erinnerung: Nächste Woche feiern wir Weihnachten. Ein Fest, das für das von Euch so viel beschworene christliche Abendland kulturell eine große Bedeutung hat. Ein Fest, an dem sich Christen an ein armes Flüchtlingskind erinnern, dessen Botschaft geprägt war „Liebe deinen Nächsten“, von „Gehet in alle Welt“, von „Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“. Das sind die Werte des christlichen Abendlandes, die es wert sind, verteidigt zu werden.

[Änderung am 16.12.2014, 10:05: In der ersten Version habe ich versehentlich an die Zahl der Teilnehmenden an der PEGIDA-Demonstration vom 15.12. eine Null zu viel gehängt und diesen Fehler konsequent durch den Beitrag geschleift. Aber auch mit 15000 Demonstrationsteilnehmern ist die Zahl noch erschreckend hoch. Danke an David für den Hinweis!]

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